Blutegeltherapie

Im Speichel des Egels liegt die Heilkraft

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Die Blutegeltherapie ist ein so genanntes ausleitendes Heilverfahren und in den vergangenen Jahren wieder Bestandteil unserer medizinischen Versorgung geworden.

Die moderne Biochemie hat viele Wirksubstanzen und deren Wirkmechanismen im Blutegelspeichel aufgeklärt. Bis zu 40 Inhaltsstoffe vermuten Forscher im Speichel der Tiere, gerinnungshemmende und gefäßweitende, entkrampfende, entzündungshemmende und schmerzlindernde.

Im Speichel sind mehrere Stoffe, die die Gerinnung hemmen, so macht 1 mg Hirudin 60 ml Blut für 24 Stunden ungerinnbar. Der Blutegel gibt allein an Hirudin 1- 1,5 mg in seine Bissstelle. Das Calin hemmt ebenfalls die Blutgerinnung und bewirkt im Anschluss an das schnelle Hirudin die etwa 12 Stunden dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten. Es kommt zu dem bekannten, sanften Aderlass. Weitere Inhaltstoffe haben sogar antibiotische Wirkung und wirken sehr entzündungshemmend. Bei dem ca. 30- 60 minütigen Saugakt ist es notwendig, die Wunde offen und das Blut fliesfähig zu erhalten.

Mit Blutegeln lassen sich Patienten mit Gonarthrose gut symtomatisch behandeln.
Davon war sogar Studienleiter Dr. Stefan Andereya von der Orthopädischen Klinik an der RWTH Aachen überrascht. In einer Studie bei Patienten mit fortgeschrittener Arthrose hatte bereits das einmalige Ansetzen von vier Blutegeln signifikante Effekte auf das Schmerzempfinden. Über welche Mechanismen sich die Gelenkfunktion und das Schmerzempfinden bei den Gonarthrose-Patienten bessern, ist nach Angaben von Dr. Andereya und seinen Kollegen ungeklärt. Möglich sind pharmakologische Wirkungen gerinnungs- -und entzündungshemmender Substanzen im Speichel der Blutegel sowie von schmerzlindernden Stoffen.

Weitere Anwendungsgebiete sind:

  • Akute und chronische Gelenkentzündung
  • Verschleißerscheinungen der Gelenke
  • Kopfschmerzen
  • Tennisellenbogen
  • Gicht
  • Muskelverspannungen/ Muskelverhärtungen
  • Venenentzündung
  • Rheuma
  • Sehnenscheidenentzündung
  • Krampfadern

Was geschieht bei der Blutegeltherapie?

Die Blutegel werden an der Stelle, an der sie saugen sollen, angesetzt. Ein feiner stechender Schmerz und rhythmische Saugbewegungen zeigen an, dass der Biss stattgefunden hat und der eigentliche Saugakt beginnt. Er beträgt durchschnittlich 30-60 Minuten, danach fällt der Blutegel von selbst ab. Anschließend wird die Wunde mit sehr saugfähigem Verbandmaterial versorgt. Nach Möglichkeit sollte an diesem Tag viel Ruhe eingehalten werden und genügend Flüssigkeit aufgenommen werden. Nach 24 Stunden erfolgt eine Nachkontrolle der Wunde in der Praxis.

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